Potenzialindex 2024

Digitalisierungspotenziale nach Lebensbereichen

Umwelt & Mobilität

umwelt & mobilität

Der Bereich Umwelt und Mobilität umfasst zum einen Berufe, die benötigt werden, um die Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft hin zur Klimaneutralität zu schaffen sowie Berufe, die wesentlich für die Verkehrswende (im Sinne einer stärkeren Fokussierung auf den öffentlichen Verkehr) sind. Dazu zählen beispielsweise Bus- und Straßenbahnfahrerinnen, Berufe in der Umweltschutztechnik oder Berufe in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Insgesamt liegt das Digitalisierungspotenzial im Bereich Umwelt & Mobilität bei rund 50 Tsd. Beschäftigten in Deutschland insgesamt. Vorzugsweise ländliche Regionen insbesondere im Nordosten Deutschlands zeigen in diesem Bereich ein überdurchschnittlich großes Digitalisierungspotenzial. Demnach sind dort bis 2035 Tätigkeiten, die teilweise oder ganz durch digitale Technologien übernommen werden können, überdurchschnittlich häufig gesucht (Abbildung 3).


Abbildung 3: Digitalisierungspotenzial für den Bereich Umwelt & Mobilität bis 2035
Reduzierter Fachkräftebedarf für Berufe im Bereich Umwelt & Mobilität in % von allen Erwerbstätigen, bis 2035 auf Grundlage des Digitalisierungsszenarios


Quelle: Eigene Berechnung

Lesehilfe: Ein höherer Wert impliziert eine größeres Digitalisierungspotenzial im Vergleich zum gesamtdeutschen Wert.

Dagegen ist das Digitalisierungspotenzial im Bereich Umwelt & Transport insbesondere in städtischen Regionen wie Düsseldorf, Stuttgart oder München unterdurchschnittlich ausgeprägt. Demnach ist die voraussichtliche Arbeitskräftenachfrage in diesen Stadtkreisen stärker auf Berufe konzentriert, die nicht dem Bereich Umwelt & Transport zugeordnet sind.

Digitalisierung stützt den öffentlichen Nah- und Fernverkehr

„Schätzungen gehen davon aus, dass sich bis 2030 Fahrgastzahlen verdoppeln, während teilweise bis zu 50% der Beschäftigten in den Ruhestand gehen. Um das zu leisten, braucht es eine weitreichende Digitalisierung der Geschäftsprozesse im öffentlichen Verkehr.“

Dr. Claus Dohmen, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)

Bereits heute sieht sich der öffentliche Verkehr mit der Notwendigkeit einer doppelten Transformation konfrontiert. Einerseits ist es für die Umsetzung der Verkehrswende nötig, dass attraktive Angebote für einen Umstieg auf eine nachhaltige Mobilität gemacht werden. Gleichzeitig ist er besonders vom Fachkräftemangel betroffen. Insbesondere wird sich dieser bis 2035 deutlich verstärken. [7],[8] Mehr Menschen sollen also mit weniger Personal befördert werden.

Darüber hinaus steht der öffentliche Verkehr (ÖV) im Spannungsfeld der Wirtschaftlichkeit seiner Angebote bei gleichzeitiger Verpflichtung zur Daseinsvorsorge auch auf entlegeneren und unwirtschaftlichen Strecken. Damit steht der öffentliche Verkehr vor einer Herkules-Aufgabe, die nur mit einer intelligenten Digitalisierung und Automatisierung zu lösen ist. Die Digitalisierung bietet im Transportwesen zahlreiche Potenziale, die durch folgende Beispiele konkret greifbar werden:

  • Die über 60 Projekte zum autonomen Shuttle-Bus demonstrieren, wie Technologie den öffentlichen Nahverkehr verbessern kann. Diese Projekte bieten innovative und effiziente Transportlösungen, die sowohl den Fahrgästen als auch den Betreibern optimierte Betriebsabläufe ermöglichen.
  • Die transportmittelübergreifende Möglichkeit zur Reiseplanung in Echtzeit verbessert die Koordination zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln und ermöglicht es den Nutzern, ihre Routen optimal zu planen und Zeit zu sparen.
  • Digitale Ticketbuchung für Wegeketten vereinfacht den Buchungsprozess, indem sie es den Reisenden ermöglicht, Tickets für mehrere Abschnitte ihrer Reise in einem einmaligen Vorgang zu erwerben, was den Komfort deutlich erhöht.
  • On-Demand Angebote, insbesondere in ländlichen Gegenden, bieten flexible und bequeme Transportmöglichkeiten, indem sie den Bedarf an festgelegten Fahrplänen reduzieren und die Mobilität für die ländliche Bevölkerung verbessern.
  • Die stärkere Nutzung von digitalen Anwendungen in der Steuerungstechnik, etwa bei Sicherheitssignalen, birgt erhebliches Digitalisierungspotenzial. Diese Anwendungen tragen dazu bei, das Verkehrssystem sicherer und effizienter zu machen, indem sie Echtzeitdaten nutzen, um Sicherheitsmaßnahmen zu optimieren.

„Bei der Digitalisierung im ÖPNV ist die Umsetzungsgeschwindigkeit deutlich langsamer als der Umsetzungswille. Der ÖPNV braucht mehr geschulte Fachkräfte, um die Digitalisierung endlich auf die Straße zu bringen und letztlich den Fahrgästen ein attraktives Gesamtangebot zu machen.“

Dr. Maximilian Müller,
Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)

Das Potenzial digitaler Technologien betrifft somit alle Geschäftsprozesse und damit den gesamten ÖV. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bedarf es wiederum qualifizierten Personals. Denn ohne dieses Wissen und die notwendige Expertise bleiben Innovationsprojekte und die Implementierung digitaler Technologien stecken.

Auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit lassen sich Berufe des öffentlichen Verkehrs identifizieren. Demnach sind derzeit 320 Tsd. Personen in solchen Berufen beschäftigt. Dank ihrer Arbeit werden in Deutschland jährlich etwa 10,8 Milliarden Personen in Deutschland befördert.[9]  

Die Szenariorechnungen verdeutlichen, dass durch den Einsatz digitaler Lösungen in Kernberufen des öffentlichen Verkehrs bis 2035 rund 67 Millionen Arbeitsstunden in Deutschland insgesamt eingespart werden können.[10] Diese eingesparte Arbeitszeit kann dazu beitragen, die Leistungen des öffentlichen Verkehrs insgesamt aufrechtzuerhalten, wenn Aufgaben und Tätigkeiten, für deren Bewältigung Fach- und Arbeitskräfte benötigt werden, durch das vorhandene Personal übernommen werden.

Unter der Annahme, dass diese eingesparten Arbeitsstunden zu einer äquivalenten Personenbeförderung führen, können damit 510 Millionen Menschen befördert werden, die sonst auf das Auto ausweichen müssten. Laut des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) entsprechen 24 beförderte Personen im öffentlichen Nahverkehr 17 eingesparten Autofahrten (Abbildung 4). [11]

Abbildung 4: Digitalisierung bringt den ÖPNV ins Rollen


Quelle: Eigene Darstellung, Prognos 2024

Durch die Digitalisierung können 361 Millionen Autofahrten im Jahr eingespart werden. 

Diese Entwicklung ist nicht nur vorteilhaft für die Umwelt, sondern auch für die Entlastung der Straßen und insgesamt für das Verkehrswesen. Weniger Autos auf den Straßen bedeuten weniger Staus und weniger Verkehrsbelastung.

Fußnoten

[7] Tagesschau, 2023

[8] ZEIT ONLINE, 2024

[9] Statistisches Bundesamt , 2023

[10] Es wurden dabei nur Berufe im öffentlichen Verkehrswesen betrachtet.

[11] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), 2024

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