Potenzialindex 2024

Digitalisierungspotenziale nach Lebensbereichen

Gesundheit & Soziales

Gesundheit & Soziales

In den Bereich Gesundheit & Soziales fallen Berufe aus dem medizinischen Bereich wie beispielsweise Physiotherapeutinnen oder Ärztinnen, Pflegeberufe wie Kranken- oder Altenpflegerinnen sowie Berufe im Bereich der medizintechnischen Dienstleistungen wie Berufe in chemisch-technischen Laboratorien. Ebenfalls diesem Bereich zugeordnet sind Berufe im Bereich der Bildung und Weiterbildung. Hierzu gehören unter anderem Lehrkräfte, Berufe in den Erziehungswissenschaften oder Berufe in der Erwachsenenbildung.

Insgesamt liegt das Digitalisierungspotenzial im Bereich Gesundheit & Soziales bis 2035 bei etwa 60 Tsd. Beschäftigten in Deutschland. Dabei weisen Landkreise in weniger stark besiedelten Regionen mit einer tendenziell älteren Bevölkerung ein überdurchschnittliches Potenzial für die Nutzung digitaler Technologien im Bereich Gesundheit & Soziales auf (Abbildung 7).

Abbildung 7: Digitalisierungspotenzial für den Bereich Gesundheit & Soziales bis 2035
Reduzierter Fachkräftebedarf für Berufe im Bereich Gesundheit & Soziales in % von allen Erwerbstätigen, bis 2035 auf Grundlage des Digitalisierungsszenarios


Quelle: Eigene Berechnung

Lesehilfe: Ein höherer Wert impliziert eine größeres Digitalisierungspotenzial im Vergleich zum gesamtdeutschen Wert.

Diese sind vorwiegend im Nordosten Deutschlands zu finden – etwa die Landkreise Vorpommern-Greifswald, der Burgenlandkreis oder Schleswig-Flensburg. Ebenfalls ein überdurchschnittliches Potenzial für die Nutzung digitaler Lösungen zur Effizienzsteigerung im Gesundheits- und Sozialwesen zeigen Städte mit Universitätskliniken wie Heidelberg, Frankfurt an der Oder, Würzburg oder Tübingen.

Ein im Vergleich zu Deutschland insgesamt unterdurchschnittliches Digitalisierungspotenzial im Lebensbereich Gesundheit & Soziales haben dagegen industriell geprägte Regionen wie Wolfsburg, Dingolfing-Landau oder der Landkreis Tuttlingen.

Digitalisierung ermöglicht bessere Gesundheitsversorgung

"Das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen – gerade im Bereich der Datennutzung und -auswertung - ist erheblich und es gibt bereits vielversprechende Ansätze. Allerdings sind dafür Ansätze nötig, die von allen Stakeholdern vom Patienten über die Krankenkassen, das medizinische Personal bis hin zur Politik mitgetragen werden.“

Sarah Kilz, Gruppe Digital Health, Fraunhofer IMW

Der demografische Wandel und die alternde Gesellschaft tragen zu einer zunehmend größeren Bedeutung einer stabilen Gesundheitsversorgung bei. Allerdings wird sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zukünftig weiter verstärken.[16],[17] Die Chancen der Digitalisierung sind in manchen Bereichen des Gesundheitswesens groß und werden punktuell bereits genutzt.

Konkrete Digitalisierungspotenziale im Gesundheitswesen sind:

  • Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz unterstützt dabei, Muster zu erkennen und schnelle sowie präzise Diagnosen zu stellen. Insbesondere in der Radiologie und bei neurodegenerativen Erkrankungen wird diese Technologie bereits erfolgreich verwendet.
  • Es werden Roboter zur Assistenz von Pflegekräften oder zur Unterstützung von Ärzten bei Operationen genutzt.
  • Gesundheitsdaten können erfasst und ausgewertet werden, was sowohl für Forschungs- und Diagnostikzwecke als auch für die individuelle Krankheitsprävention genutzt wird. Dies ermöglicht es den Patienten, aktiver an ihrer Gesundheit teilzuhaben und effektiver präventiv zu handeln.
  • Der verbesserte Austausch von Gesundheitsdaten hilft dabei, Informationsbarrieren zu überwinden und die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zu verbessern, sodass Patienten schneller und präziser behandelt werden.
  • Die personalisierte Medizin ermöglicht es, Behandlungen an die individuellen Bedürfnisse und Merkmale der Patienten anzupassen. Durch die Analyse individueller Gesundheitsprofile können maßgeschneiderte Therapien entwickelt werden.

Für die Ableitung eines konkreten Nutzens für den Einzelnen steht die Gesundheitsversorgung durch Arztpraxen im Fokus. In diesem Bereich der Gesundheitsversorgung sind laut Daten der Bundesagentur für Arbeit gut 700 Tsd. Beschäftigte tätig. Das entspricht etwa 23 Prozent aller im medizinischen Bereich beschäftigten Personen. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kommt es in diesen Arztpraxen zu rund einer Milliarde Patientenkontakten (Abbildung 8).[18]


Abbildung 8: Digitalisierung ermöglicht mehr Zeit für Patientinnen und Patienten


Quelle: Eigene Darstellung, Prognos 2024

Die Ergebnisse der Szenariorechnungen zeigen, dass durch den Einsatz digitaler Lösungen gut 52 Mio. Arbeitsstunden in Arztpraxen eingespart werden können.[19] Diese Arbeitsstunden gehen dem Gesundheitswesen nicht verloren und die Zeit kann zu einer effizienteren Behandlung von Patienten genutzt werden.

Die Digitalisierung ermöglicht 9,9 Millionen Arztkontakte für Patienten und Patientinnen im Jahr.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass digitale Werkzeuge und Prozesse eine wesentliche Rolle bei der Verbesserung der Effizienz und Kapazität unserer Gesundheitsdienstleister spielen werden.

Fußnoten

[16] Frankfurter Rundschau, 2023

[17] Badische Neueste Nachrichten, 2023

[18] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 2024

[19] Es wurden dabei nur Berufe betrachtet, die ärztlichen Praxen zugeordnet werden können.

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